Islam: Kein Kampf und keine Eroberung – Tichys Einblick


Bei archäologischen Ausgrabungen im Hidschâz wurden Überreste hellenistischer, nabatäischer, römischer und frühbyzantinischer Ansiedlungen gefunden, jedoch keine Spuren einer arabischen Kultur zu Mohammeds Zeiten. Besonders bemerkenswert ist, dass keine heidnischen Heiligtümer vorhanden waren und zudem weder in Medina noch in benachbarten Orten Zeichen einer jüdischen Besiedlung. (Nevo/Koren, S. 13. Dieses Buch ist eine Pionierarbeit bei der Abgleichung der islamischen Tradition mit archäologischen Funden.) Auch jüdische Quellen erwähnen keine jüdischen Niederlassungen im Zentrum der Arabischen Halbinsel.

Dies hat für die Gegenwart große Bedeutung. Wir wenden uns der Vergangenheit immer aus einer bestimmten Gegenwart zu. So befasst sich die westliche Gesellschaft erst intensiv mit dem Islam, seit er politisches Gehör beansprucht und das Alltagsleben mitbestimmt. Früher konnte man Mohammed einen guten Mann sein lassen. Zur Gegenwart des Islams gehört seine Judenfeindschaft, die im muslimischen Milieu quasi durch Osmose erworben wird, legitimiert durch Mohammeds Vorgehen gegen die jüdischen Stämme in Medina. Wenn es in Medina keine Juden gegeben hat, sind die Geschichten von Mohammed und den Juden nicht historisch, also nicht in dem behaupteten empirischen Sinne „wahr“. „Wahr“ sind die Geschichten nur in einem theologischen Zusammenhang, indem sie die Verderbtheit der Juden beispielhaft illustrieren. Es handelt sich um eine normative Aussage: Juden müssen für ihre Widerspenstigkeit, den rechten Glauben anzunehmen, bestraft werden. Solche „Wahrheiten“ sind heute obsolet.

Das neue arabische Reich benötigte eine Offenbarung, einen Propheten und die klare Abgrenzung von den Juden und Christen. Zur Identitätssicherung wählte man einen explizit arabischen Hintergrund und verlegte den Ursprung der neuen Religion in den Hidschâz. Für diese Region an der Peripherie sprachen auch andere Gründe: Das Gebiet war so leer, dass von dort kein Widerspruch zu erwarten war, wie Nevo/Koren anmerken (S. 346), und es waren aus demselben Grunde keine Ansprüche zu befürchten. Hätte man den Ursprung des Islams in ein Kernland des arabischen Reiches gelegt, so hätte dieses sofort Privilegien beansprucht. Man sieht dies heute am Gebaren der Saudis als „Hüter der heiligen Stätten Mekka und Medina“, die daraus sogar den Anspruch ableiten, ihre Auslegung des Islams für alle Muslime verbindlich machen zu dürfen. Zur Zeit der Entstehung des Islams war für das noch ärmliche Mekka nichts zu holen.

Bangert nennt diese Verlegung des Ursprungs des Islams vom Fruchtbaren Halbmond in die Wüste „Translokation“. (S. 732ff) Der erste Islamforscher, der diesen Schritt nachvollzog, war der eingangs erwähnte John Wansbrough in seinem sehr schwer lesbaren Buch „Quranic Studies“. Er trennte als erster die Verbindung von Mohammed, dem Koran und der Arabischen Halbinsel und entzog damit dem Islam seine historische Basis, woraus die Islamwissenschaft aber keine Konsequenzen zog.

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Quelle: Islam: Kein Kampf und keine Eroberung – Tichys Einblick

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