Europa. Großes Kino. Ein zynischer Abgesang. – Tichys Einblick


Und diese Kräfte gibt es nicht mehr. Zu lange hieß es: höher, schneller, weiter. Übermut, wohin man blickte, naive Zuversicht, dass es hinter der nächsten Kurve noch schöner, noch besser wird. Wie langweilig, das Erreichte bewahren zu wollen. Die D-Mark, eine der härtesten Währungen der Welt: hinfort damit. Eine weltweit einmalige Infrastruktur und beispielhafte Verkehrswege: eine Selbstverständlichkeit, die ewig hält. 12.000 marode Brücken in  diesem Land zeugen von der Ignoranz und Dummheit der Verantwortlichen. Ebenso wie allerorten zerfallende Schulen, augenfälliges Zeichen für das Zerbröseln eines Bildungssystems, um das uns mal die Welt beneidete. Man könnte endlos fortfahren mit der Bestandsaufnahme dieser verwahrlosten Republik. Die Bundeswehr: eine Lachnummer. Die Industrie: Anschluss an die Weltspitze in fast allen Zukunftstechnologien verloren. Großprojekte wie der Berliner Flughafen: eine göttliche Komödie. Energiewende: schlicht verzockt. Staatsfinanzen oder Renten: ein Desaster.Seltsam: Wir leisten uns Heerscharen teurer Politiker und Bürokraten, aber für das Gemeinwesen ist scheinbar keiner verantwortlich. Stattdessen hören wir permanent Entschuldigungen und heuchlerische Erklärungen. Ganz vorne: Die Weltwirtschaft, die Globalisierung. Oder die EU, die in Brüssel. Oder die anderen Parteien. Wenn die nicht wären, ja, dann würden, dann könnten wir. Und dann tun sie das, was sie am besten können: sie fordern und fordern. Vom wem eigentlich? Das weiß keiner so genau.Es ist ein erbärmlicher Affentanz, dessen Zeuge wir tagtäglich werden. Aber das reicht natürlich nicht für einen historischen Untergang mit Pauken und Trompeten. Allenfalls für eine mittelgroße Wirtschaftskrise. Damit wird uns die Nachwelt nicht Erinnerung behalten. Da braucht es schon etwas Epochales und Beispielloses. Das Kopfschütteln und die Fassungslosigkeit nachfolgender Generation muss man sich hart verdienen.Zwei Millionen aufgenommene Flüchtlinge 2015, – das ist mal eine Hausnummer, über die sich die Welt noch lange den Kopf zerbrechen wird. Die üblichen Entschuldigungen wie Bequemlichkeit oder Ignoranz greifen da nicht mehr. Da muss mehr dahinter stecken. Hier kann man sie fast spüren, die Überdrüssigkeit einer dekadenten Gesellschaft, den latenten Willen zum Untergang, der sich noch einmal in einem infantilen Freudentaumel Luft macht. Fast hört man wieder die Begeisterungsschreie von 1914 oder 1939, als man loszog, alles leichtfertig zu riskieren und der eigenen Vernichtung höhnisch entgegenlachte. Heute heißt es nicht mehr „Für Volk und Vaterland“, sondern „Refugees welcome“.Aber wir vergessen nicht: Heute ist es keine Explosion, die uns den Garaus machen wird, sondern eine Implosion. Da gelten andere Regeln, will man Erfolg haben. Die Horden junger, vorwiegend männlicher und muslimischer Migranten sind schon einmal eine wirkungsvolle Zutat. Und es sieht nicht so aus, als würde der Strom der Einwanderer versiegen. Manche munkeln, halb Nordafrika säße bereits auf gepackten Koffern, um sich von den zu Schleppern und Transporteuren verkommenen Grenzschützern sicher nach Europa geleiten zu lassen.Längst fragt keiner mehr, wer da eigentlich kommt. Viel zu langsam macht sich die Angst breit in der Bevölkerung, die Angst vor brutaler Gewalt, Tritten gegen den Kopf, Antanzen, Begrapschen in Schwimmbädern oder einem größeren Terroranschlag extremer Islamisten, die zu Hunderten ins Land strömen. Und diese Angst ist mehr als berechtigt, wie der aufmerksame Bürger versteckten Hinweisen in den Medien entnehmen kann. „Südländisches Aussehen“ oder „dunkle Hautfarbe“ heißt es in den Meldungen über alltägliche Abscheulichkeiten. Erst langsam erscheinen Kriminalstatistiken, die ein schonungsloses Bild der Lage zeichnen. Mehr noch als unter den Gewalttaten leidet die Bevölkerung unter dem Gefühl der Ohnmacht und daran, dass sich kaum ein Politiker für ihre Ängste zu interessieren scheint.

Quelle: Europa. Großes Kino. Ein zynischer Abgesang. – Tichys Einblick

  1. #1 von glaubenistnichtwissen am 30. Mai 2016 - 14:03

    Hat dies auf glauben_ist_nicht_wissen rebloggt.

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