Wir waren mal die Partei der sozialen Gerechtigkeit, aber im realen Handeln merke ich davon leider nichts mehr. Wir waren die Partei der Arbeiter, ihre Interessen vertreten wir aber gar nicht mehr, SPD Austritt


Ich hab gerade auf der Vorstandssitzung des SPD Ortsverein Karnap meinen Freunden und Genossen erklärt, dass ich mit sofortiger Wirkung aus der SPD austrete. Es war mir wichtig, dies den Menschen, die mir am Herzen liegen persönlich mitzuteilen. In den letzten Tagen habe ich diesen, für mich sehr schweren Schritt mit meinen engen Freunden und meiner Familie besprochen. Ich verlasse die SPD nach 26 Jahren. Sie war für mich Familie und ein Teil meiner Identität. Nach reiflicher Überlegung muss ich mir aber eingestehen, dass ich mit dem grundsätzlichen Kurs der SPD nicht mehr leben kann.

Wir waren mal die Partei der sozialen Gerechtigkeit, aber im realen Handeln merke ich davon leider nichts mehr. Wir waren die Partei der Arbeiter, ihre Interessen vertreten wir aber gar nicht mehr.
In Essen sind gerade mal 9% der Mitglieder noch klassische Arbeiter, obwohl die SPD als revolutionäre Arbeiterpartei begann, dann in eine bürgerliche Arbeiterpartei überging. Seit Jahren gelingt es ihr kaum noch sich in die Situation des einfachen Arbeiters hinein zu versetzen. In der Flüchtlingspolitik haben wir uns endgültig und völlig von der Realität verabschiedet.

Ändern wollen wir daran nichts. Auf dem Parteitag letztes Wochenende in Essen habe ich den Grund erfahren. Die österreichische SPÖ hat vor drei Monaten ihren Kurs radikal geändert. Geholfen hat das nur der FPÖ. Die Wähler belohnen, Kurs halten hieß es. Also, Augen zu und durch. Bloß nichts ändern, bloß nicht mal kritisch diskutieren. Wir müssten uns mal vorstellen, so würde jeder Einzelne von uns am Arbeitsplatz oder in der Familie handeln. Den offensichtlich falschen Kurs beibehalten, auch wenn wir wissen, dass er falsch ist, nur aus strategischen Gründen. Das ist Irrsinn. Aber die Strategien der SPD-Vordenker haben ja die letzten Jahre immer funktioniert. Also weiter so.

Ich werde in Zukunft als parteiloser Ratsherr weiter intensiv an meinen sozialen Projekten arbeiten und ganz eng mit den Bürgerinitiativen im Essener Norden zusammenarbeiten. Mir ist wichtig, nochmals deutlich zu machen, dass ich die Zusammenarbeit in der SPD Ratsfraktion sehr konstruktiv fand und ich den Standort-Kompromiss aus voller Überzeugung mitgetragen habe.

Danke an alle, die mich in über 2 ½ Jahrzehnten begleitet, er- oder getragen haben. Es ging mir immer um meine Partei, der ich mit Herzblut verschrieben war. Der Schritt, den ich heute gehe, ist vielleicht der schwerste meines Lebens, aber ich kann leider nicht anders und ich werde keinen falschen Weg mit beschreiten.

https://www.facebook.com/guido.reil?fref=nf

 

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  1. #1 von jeanfairtique am 13. Mai 2016 - 09:44

    Was soll man dazu sagen?
    26 Jahre hat es gedauert um auszutreten?
    Nach meinem Verständnis hätten schon 15 gereicht.
    Spätestens seit Agenda-Schröder war die Partei fertig.
    Ein rosagestrichener Wurmfortsatz der CDU.
    Die Abgeordneten im Bundestag sind für Sanktionen und einen Regelsatz, der kaum das Überleben ermöglicht (mit 404 Euro, abzüglich Strom, Tel/Internet und evtl. Miete).
    Währenddessen gewähren sie sich nonchalant in den letzten 3 Jahren eine Diätenerhöhung von 830 Euro (dieses Jahr ab Juli schon wieder 250)…
    Es ist nicht unbedingt eine Systemeigenschaft nur der SPD, aber mittlerweile glaube ich fest an den Satz:
    Jeder denke nur an sich!
    Nur ich denk an mich…

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